VisitLangeland

Wie Kreise im Wasser

Der Fotograf Chresten Kruchov ist der Initiator der Herbstausstellung der Langeland-Fotografen im Nowhuset in Tullebølle

Chresten Kruchov
Foto: Chresten Kruchov

Eigentlich findet der Fotograf Chresten Kruchov aus Rudkøbing nicht, dass die Einrichtung der Herbstausstellung der Langeland-Fotografen, die 2019 ins Leben gerufen wurde, besonders mühsam war.

Natürlich war es eine Art Detektivarbeit und erforderte eine Menge Gespräche und die Bewertung von Fotos. Aber vor allem fand er es interessant … bereichernd … und hat Spaß gemacht, talentierte Fotografen auf der Insel aufzuspüren.

„Meine Frau Dorthe Møller und ich haben das Haus in Rudkøbing 2002 gekauft, sind aber erst 2017 endgültig nach Langeland gezogen. Da hatte ich mich bereits mit der ‚Galleri Vognporten‘ eingerichtet“, erzählt er über seine Fotogalerie, die – wie der Name schon sagt – in der ehemaligen Wagenremise seines Hauses in der Jens-Winthers-Straße 3 in Rudkøbing untergebracht ist.

Außerdem hatte er als Teilzeit-Langeländer einige Jahre lang am „Kunstnernes Åbne Døre“ teilgenommen und so Kontakt zu einer Reihe weiterer bildender Künstler der Insel geknüpft.

„Aber es hat mich gewundert, dass wir so wenige Fotografen waren, die bei ‚Åbne Døre‘ mitgemacht haben. Nicht zuletzt, weil ich mitbekommen hatte, dass es auf Langeland wirklich viele gute Fotografen gibt“, sagt er.

Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee, Fotografien zu sammeln und auszustellen.

Langelandsfotografernes Efterårsudstilling
Foto: VisitLangeland

15 Fotografen

In den vier Jahren, in denen er nun schon die Herbstausstellung der Langeland-Fotografen organisiert, hat er festgelegt, dass die maximale Anzahl an Ausstellern bei etwa 15 liegt. Wer einmal in der Gruppe ist, gehört dazu. Aber wenn jemand verhindert ist, holt Chresten Kruchov seine Liste mit noch mehr interessierten Fotografen hervor, die dann die Möglichkeit bekommen, mitzumachen. Im Jahr 2022 waren somit ein paar neue Teilnehmer dabei.

„Eine der Ersten, die ich angesprochen habe, war Marianne Skovby Christensen hier aus Rudkøbing. Sie hatte nämlich meine Frau und mich fotografiert, als wir geheiratet haben. Denn meine Frau ist hier auf Langeland in Haugbølle geboren und hat neben ihrem Zwillingsbruder auch noch viele andere Verwandte, die hier auf der Insel wohnen.“

Marianne Skovby teilte jedoch mit, dass sie nicht mehr fotografiere, sondern mit dem Malen begonnen habe. Also verwies sie auf ihren Mann, Leif Christensen, der auf Langeland als „Foto-Leif“ bekannt ist. Er wollte gerne bei der neu gegründeten Fotogruppe mitmachen und hatte Vorschläge für mehrere andere Teilnehmer. Das Gleiche galt für den Künstler Alfio Bonanno aus Rudkøbing, der vor allem für seine Land-Art-Skulpturen bekannt ist, sich aber auch in der Fotografie auszeichnet und zudem den Fotografen John Rasmussen aus Lindelse kannte. Außerdem half mir der Maler Keld Nielsen dabei, Fotografen zu finden.

So verbreitete sich die Nachricht von der Fotogruppe schnell und effektiv wie Ringel im Wasser.
 

Chresten Kruchov
Foto: Chresten Kruchov

Das allerbeste Foto

Chresten Kruchov fungiert selbst als Kurator der Herbstausstellung der Langeland-Fotografen:

„Eines der schönen Dinge an der Ausstellung ist, dass wir nie ein Thema haben. Meine Bedingung für die Teilnahme ist, dass der Fotograf die absolut besten Fotos einreicht. Es spielt keine Rolle, ob das Bild schon älter ist – solange es noch nie zuvor ausgestellt wurde.“

„Ich habe selbst schon ältere Fotos mitgebracht“, fährt Chresten Kruchov fort, der mit Fotoserien aus den späten 60er Jahren ein erneutes Interesse unter anderem an alten Street-Fotos erlebt hat. Straßenbilder aus jener Zeit sind zu Kunstobjekten geworden, die vor allem jüngere Menschen besonders interessant finden.

Und Fotos hat Chresten Kruchov reichlich. Tausende von Fotos – sowohl Positive (entwickelte Fotos) als auch Negative – füllen sein Fotoatelier auf der anderen Seite des Innenhofs seines Hauses.

Chresten Kruchov
Foto: Chresten Kruchov

50 Jahre alte Fotos in der Ausstellung

„Ich habe schon sehr früh angefangen zu fotografieren, aber zu meiner Konfirmation bekam ich meine erste richtig gute Kamera, eine Altex NB – ein ostdeutsches Modell aus Dresden“, sagt er und zeigt auf ein paar Fotos in der Ausstellung, die vor über 50 Jahren entstanden sind, aber auch heute noch das Publikum ansprechen. Das eine zeigt ein Mädchen, das ein Eis isst – das andere drei Kinder aus Algerien.

„Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, konnte ich anfangen, von der Fotografie zu leben. Ich arbeitete als Fotoassistent bei verschiedenen Fotografen und Kameraleuten und habe zunächst deren Stil kopiert“, gibt Chresten Kruchov zu, der später seine eigene Bildsprache und Nische fand.

Mit gut zwanzig Jahren kam er zum Munksgaard-Verlag und lieferte Buchcover, Fotoillustrationen und Diaserien.

Doch da der junge Fotograf nach eigenen Angaben immer seine Kamera um den Hals hängen hatte und seine Mappe mit Beispielen seiner Fotos unter dem Arm trug, bekam er auch Aufträge bei anderen Verlagen.

„Meine Mutter meinte natürlich, ich solle ‚eine richtige Ausbildung‘ machen – ‚etwas, worauf ich zurückgreifen kann‘“, wirft Chresten Kruchov ein, der sich deshalb entschloss, Lehrer zu werden, um seine Leidenschaft für die Fotografie mit dem Unterrichten zu verbinden.
 

Chresten Kruchov
Foto: Chresten Kruchov

Ein Rektor mit einer Vorliebe fürs Fotografieren

Das war eine gute Strategie. Er unterrichtete und fotografierte. Er begeisterte sich für Pädagogik und konnte gleichzeitig Fotos für Lehrbücher machen. Er machte seinen Master in Pädagogik und forschte an der Dänischen Lehrerhochschule, wurde später Rektor – zuerst am Zahle-Seminar und dann am Zentrum für weiterführende Bildung – und war gleichzeitig an Bildungsprojekten beteiligt, bei denen er fotografieren konnte.

„Mein ganzes Leben lang habe ich im Rahmen meiner Arbeit fotografiert, aber nebenbei auch Kunstfotos geschaffen, aus denen unter anderem Fotobücher entstanden sind. Als ich aber 2011 65 wurde, beschloss ich, in den Ruhestand zu gehen und Vollzeitfotograf zu werden. Denn wenn ich etwas daraus machen wollte, war es entscheidend, dass ich mich nicht mit anderem beschäftigte …“
 

Chresten Kruchov
Foto: Chresten Kruchov

Von Straßenfotos zu Naturaufnahmen

Diese Entscheidung hat er nicht bereut.

„Mein Herz schlägt immer noch sehr für Street-Fotos, aber seit wir nach Langeland gezogen sind, hat mich auch die Natur sehr in ihren Bann gezogen“, erklärt Chresten Kruchov und zeigt Beispiele aus der Serie „Der Himmel über Rudkøbing“, bei der es sich um bearbeitete Fotos des Himmels handelt, die in Farbe über einem schwarz-weißen Vordergrund abgebildet sind, sowie aus der brandaktuellen Serie „Rund um die Küste von Langeland“, in der unter anderem Oehlenschlägers Buche bei Stengade ihre Krone in der blauen Welle spiegelt … allerdings hier ebenfalls in Schwarz-Weiß.

„Dass es auf Langeland so viele Maler und Fotografen gibt, liegt ganz sicher daran, dass die Insel so viel zu bieten hat. Ich glaube, das Interesse an der Fotografie ist gestiegen, weil der Einstieg durch die Digitalkamera einfacher geworden ist, aber auch, weil viele heute Lust haben, professioneller mit der Fotografie zu arbeiten“, sagt Chresten Kruchov.

Die Herbstausstellung der Langeland-Fotografen im Nowhuset findet jedes Jahr den ganzen Oktober über und bis in den November hinein statt. Die Öffnungszeiten findest du auf nowhuset.dk.

Die Galerie Vognporten in der Jens-Winthers-Straße 3 in Rudkøbing hat donnerstags, freitags und samstags geöffnet sowie „wenn der Wind weht“, wie Chresten Kruchov sagt. Er fügt hinzu: Wenn die Galerie geschlossen ist, steht seine Telefonnummer auf dem Schild – dann muss man einfach nur einen Termin vereinbaren.

Entdecke die Fotos von Chresten Kruchov

Die Kunstroute

Die Kunstroute bietet dir die Möglichkeit, die größeren Kunst- und Kulturerlebnisse mit Besuchen bei einzelnen Künstlern und Kunsthandwerkern zu verbinden, während du durch die wunderschöne Natur von Langeland wanderst und an Kunstwerken im öffentlichen Raum vorbeikommst.