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Grafikdruck mit frischem Fisch

Die Galerie Momlis in Bagenkop zeigt die Gyotaku-Technik auf Langeländer Art

Linea Hansen trykker med fisk
Foto: Nguyen Studio

Vor vier Jahren war ein Fisch für Linea Hansen vom Galleri Momlis in Bagenkop einfach nur ein Fisch. Natürlich konnte sie eine Hering von einer Scholle oder einen Hornhecht von einem Kabeljau unterscheiden. Aber ansonsten war sie bei der Bestimmung der Fischarten ungefähr genauso sachkundig wie die meisten anderen Dänen.

Heute ist das ganz anders

Denn Linea Hansen ist tief beeindruckt von der japanischen Drucktechnik Gyotaku, was übersetzt „Fischabdruck“ bedeutet, und der Fisch, der nun im Galleri Momlis durch ihre Hände gleitet, wird intensiv studiert, bevor sie ihn von Schleim befreit, seine Schwanzflosse und Flossen arrangiert, ihn mit japanischer Tinte bemalt und schließlich mit dünnem Japanpapier abdeckt, um so einen grafischen Abdruck zu schaffen.

„Ich bin ausgebildete Kunstlehrerin und immer offen für neue Methoden. Als das Skagen Museum einen Gyotaku-Workshop für Kinder anbot, beschloss ich, diese Art der Grafik etwas genauer zu erkunden“, sagt Linea Hansen.

Tryk af Linea Hansen
Foto: Linea Hansen

Ein Flunder auf dem Küchentisch

Anfangs fand das alles zu Hause statt. Lineas Mann Martin ist Berufsfischer und seine Einstellung war so in etwa: „Na ja, wenn sie denkt, das könnte Spaß machen, dann…“, als er ihr die erste Flunder hinwarf. Nicht lebendig, aber auch nicht geschlachtet.

„Am Anfang habe ich einfach mit dem experimentiert, was ich zu Hause hatte. Zufällig etwas Japanpapier, aber keine Druckfarbe, nur Acrylfarbe.“

Das Ergebnis überraschte sie und machte Lust auf mehr. Und so läuft der Prozess immer noch ab.

Linea Hansen hat ständig Lust, die Technik zu perfektionieren und sich künstlerisch herauszufordern, indem sie beispielsweise die Fischdrucke in visuelle Erzählungen wie Collagen einbindet, auf gemusterte Hintergründe druckt oder alte Seekarten verwendet, die den nun grafisch gestalteten Fisch wieder in sein rechtes Element zurückbringen.

Der Makrelenabdruck erhält seinen charakteristischen blauen Rücken durch Aquarellfarbe. Bei anderen kommen Pastellkreiden hinzu. Sie experimentiert mit Papiersorten und Tintenarten – die japanische Sumi-Tinte aus gepresstem Ruß ist ihrer Meinung nach die beste!

Tryk af Linea Hansen
Foto: Linea Hansen
Linea Hansen trykker med fisk
Foto: Linea Hansen

Der Stolz

„Mit der Zeit sind mir viele Dinge bewusster geworden. Zum Beispiel die Fischarten … welche häufig vorkommen und welche aufgrund des Klimawandels seltener oder häufiger werden. Ich denke mehr über die Fischerei als Beruf nach und über den Stolz, den man hier unten unter den Fischern spürt … dass Bagenkop einst Dänemarks fünftgrößter Fischereihafen war, ist immer noch Teil der Geschichten, die die Leute erzählen.“

Mit „Gyotaku“ hat Linea Hansen auch den Fokus auf unsere Meere gerichtet – natürlich die dänischen –, aber auch auf die Tatsache, dass Dänemark und Japan, zwei Inselstaaten, in vielerlei Hinsicht Gemeinsamkeiten haben.

„Und dann bin ich mir des Themas Nachhaltigkeit bewusst geworden. Die Acrylfarbe hab ich schon längst weggelassen, und jetzt benutze ich abwaschbare Farbe, damit der Fisch danach unser Abendessen werden kann.“

Fisch, Farbe, Papier

Bei der Gyotaku-Technik ist vieles schon von vornherein festgelegt: ein Fisch, Druckfarbe, dünnes Papier. Außerdem muss man sowohl mit dem Fisch als auch mit dem Papier vorsichtig umgehen, denn um den richtigen dreidimensionalen Eindruck zu erzielen, braucht es Übung. Und damit der tote Fisch auf dem Papier wieder zum Leben erwacht, muss auch das Auge noch weiter bearbeitet werden.

„Ein Fischauge lässt sich nicht einfach so auf Papier übertragen. Man muss es mit Farbe und Tinte ausmalen, damit es lebendig wirkt.“

Linea Hansen bezeichnet sich selbst als Kunsthandwerkerin und erzählt, dass es mit Gyotaku wie mit Pfannkuchen ist. Der erste wird nie gut. Aber beim dritten oder vierten Abdruck entsteht eine Harmonie zwischen der noch feuchten Haut des Fisches, dem Papier und der Farbe.

Anschließend druckt sie bis zu acht oder zehn Versionen desselben Motivs.

Ständig kommen neue Erfahrungen hinzu. Am Anfang war es eher eine stinkende Angelegenheit, wie damals, als sie lernte, dass die Kiemen und die Kloake des Fisches geschlossen bleiben müssen, wenn sie nicht will, dass der Mageninhalt auf das Papier spritzt.

Seitdem eignet sie sich immer verfeinertes Wissen an, während sie den ganzen Winter über die Fische druckt, die ihr die Fischer aus Bagenkop liefern.

„Ich kehre gerade wieder zu dem ganz einfachen grafischen Ausdruck zurück. Gyotaku erfordert Vertiefung – so wie der Sushi-Koch während seiner Ausbildung vier Jahre lang Reis kochen muss, bevor das Ergebnis gut wird. Ich mag diese Langsamkeit und diesen Perfektionismus, die in der japanischen Kultur stecken.“

Kan du artsbestemme Lineas trykte fisk? De rigtige svar finder du i Kunstmagasinet.

Artsbestemme-fisk.pdf
PDF1.09MB

Besuch Linea in Bagenkop

Du kannst Linea Hansen / Momlis in ihrer Galerie in Bagenkop besuchen. Linea nimmt an der Kunstroute in Bagenkop teil.

Die Kunstroute

Die Kunstroute bietet dir die Möglichkeit, die größeren Kunst- und Kulturerlebnisse mit Besuchen bei einzelnen Künstlern und Kunsthandwerkern zu verbinden, während du durch die wunderschöne Natur von Langeland wanderst und an Kunst im öffentlichen Raum vorbeikommst.