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Die Realität IST einfach besser

Der Künstler Mogens Sjøgård über die Natur und die Landschaftsmalerei

Mogens Sjøgård
Foto: Steffen Jensen

Macht es Sinn, Landschaften zu malen? Macht es Sinn, die Natur darzustellen, wenn die Welt ein schwelendes Feuer aus Unruhen ist?

Der Künstler Mogens Sjøgård aus Lismose bei Tullebølle kann seine eigenen Fragen nicht beantworten, aber er weiß: Für ihn als Naturmensch, der es liebt, in den Landschaften zu angeln, zu laufen oder spazieren zu gehen, die er auch malt, lohnt es sich, den Fokus auf Strand und Wasser, auf Wälder und Felder zu richten.

Denn es ist buchstäblich die Liebe, die den Pinsel antreibt, wenn er malt. „Ich muss ehrlich zu dem stehen, was ich mache. Aber ich habe schon ein bisschen das Gefühl, dass die Landschaftsmalerei derzeit nicht so beliebt ist. Jedenfalls, wenn ich mir die Ausstellungen in den Galerien so anschaue“, sagt er.

Mogens Sjøgård
Foto: Steffen Jensen

Die Landmaler

Als Mitglied der Künstlergruppe „Die Landmaler“, zu deren neun Mitgliedern auch seine Kollegen Keld Nielsen aus Kædeby und Camilla West aus Taasinge gehören, räumt Mogens Sjøgård jedoch ein, dass die Ausstellungen der Gruppe im In- und Ausland gut besucht sind und ein kaufkräftiges Publikum anziehen.

„Irgendwann war ich auf dem Weg in eine etwas andere Richtung. Hin zu etwas Abstrakterem, weil ich die Vorstellung hatte, die gesamte Bildfläche zu nutzen und die Horizontlinie aufzuheben“, sagt Mogens Sjøgård.

Aber man kann sich zu nichts zwingen, ohne dass es gekünstelt wirkt. Unter den Landschaftsmalern konnte er getrost dem Malstil treu bleiben, mit dem er aufgewachsen ist und den er sein Leben lang begleitet hat. Knud Søgård, Mogens’ verstorbener Vater, war selbst ein begabter Landschaftsmaler, und unzählige Ausstellungen mit Landschaftsbildern haben er und sein Vater gemeinsam besucht.

Mogens Sjøgård maler gerne kystlandskabet
Foto: Steffen Jensen

Hoffnung gegen Chaos

Denn die Malerei der Natur trägt auch jene Hoffnung in sich, die nötig ist, um dem Chaos zu begegnen. Vielleicht ist das der Grund, warum gerade das dänische Goldene Zeitalter, das aus Krieg und Bankrott hervorging, zu einem großen Teil aus Gemälden der harmonischen dänischen Landschaften bestand.

„In meiner Branche sind wir nicht immer so gut darin, über unsere eigenen Dinge zu sprechen. Aber etwas, das mir ständig am Herzen liegt, ist, das Wahrgenommene zu verdeutlichen und es sinnlich erfahrbar zu machen, damit die Natur mit den Gefühlen verbunden wird“, sagt Mogens Sjøgård, der es „Photoshoppen“ nennt – ohne dass das auch nur im Entferntesten etwas mit Bildbearbeitung am Computerbildschirm zu tun hat.

„Photoshoppen“ lässt sich ein wenig so erklären, wie wenn Künstler wie beispielsweise Vincent van Gogh sein Kornfeld oder den Nachthimmel in Bewegung wogen lassen oder wenn Edvard Munch seine Figuren in dem weltberühmten Gemälde „Der Schrei“ das Sinnliche zum Ausdruck bringen lässt.

Aber kann die Landschaft von Langeland genug Inspiration für Sinneseindrücke und ein ausgiebiges Flirten mit den Naturbildern bieten?

„Nein!“, sagt Mogens Sjøgård, woraufhin er etwas zögerlich versucht, sich an Dan Turells Gedicht „Ich mag den Alltag“ zu erinnern, in dem es auch darum geht, einen Schritt zurückzutreten und dann das, was man schon einmal gesehen und erlebt hat, wieder neu zu schätzen.
 

Pensel på lærred
Foto: Steffen Jensen

Auf der Suche nach Inspiration

„Deshalb fahren meine Frau Line und ich oft raus – sowohl hier im Land, zum Beispiel zum Limfjord und nach Bornholm, als auch auf die Färöer, um aus der dortigen, ganz anderen Natur neue Inspiration zu schöpfen.“

Und dann passiert es, wenn der Maler wieder auf Langeland ist: Er entdeckt etwas, das ihm vorher noch nie aufgefallen ist.

„Ich bin herumgefahren und habe nach einem Motiv mit schönen Linien und gutem Licht gesucht, und das habe ich dann auch am eingedeichten Teil von Lindelse Nor gefunden“, erklärt Mogens Sjøgård und zeigt auf ein Gemälde, auf dem ein schwarzbrauner Feldweg in eine Landschaft führt, die links von einem Zaun begrenzt wird und rechts den Blick über die offene Landschaft mit einer weißen Hausfassade in der Ferne freigibt.

Påske
Foto: Mogens Sjøgård

„Dann komme ich wieder nach Lismose zurück … und stelle fest, dass die Einfahrt des Nachbarhofs dieselben begehrten Linien und das schöne Licht hat“, stellt er fest. Das ist natürlich jetzt auch auf der Leinwand zu sehen – allerdings noch nicht fertig.

Mogens Sjøgård arbeitet im Freien mit Kamera und Skizzenblock, während die Gemälde im Atelier im ersten Stock seines Hauses entstehen, von wo aus man genau auf die Natur und die Landschaft blickt, die er so liebt.

Im Vergleich zur rein naturalistischen Landschaftsmalerei erklärt Mogens Sjøgård, dass er sich dafür entscheidet, „zu photoshoppen“. Nicht am Computer, sondern wenn er mit der Palette vor der Leinwand steht und malt. Er bevorzugt etwas mehr Farbkraft und etwas mehr Kontrast in seinen Gemälden.

„Weil die Realität einfach besser IST als das Foto, das du gemacht hast!“

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